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Neuhof Textil-Holding AG

 

Bericht des Vorstands

an der

Hauptversammlung

am 12.11.2020

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

ein herzliches Willkommen heute hier in Hof. Vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Unternehmen und dass Sie trotz widriger Coronaumstände den Weg heute zu uns gefunden haben!

 

Der Geschäftsbericht für 2019 ist denjenigen zugegangen, die ihn angefordert haben. Er liegt hier auch aus.

 

Ich möchte Sie über die signifikanten Abläufe des Berichtsjahres 2019 informieren und über die wesentlichen Veränderungen in den Jahresabschlüssen zum 31.12.2019 gegenüber dem Vorjahr berichten.

 

[Bild Konzernaufbau]

 

In meinem nun folgenden Bericht werde ich aus Gründen der Übersichtlichkeit und Klarheit die bei uns übliche Kurzbe-zeichnung für unsere Gesellschaft und ihre Tochterunternehmen verwenden. Am Bildschirm sehen Sie unseren Konzernaufbau, auf dem die korrekten Firmierungen und ergänzend die Kurz-bezeichnungen in eckigen Klammern vermerkt sind. Der Übersicht halber haben wir die zwei Komplementär-gesellschaften, an denen wir beteiligt sind, im Konzernschaubild weggelassen. Wenn ich im Folgenden von „unserer Gesell-schaft“ spreche, so meine ich stets die Holding AG.

 

Wie Ihnen bekannt ist, verwaltet und verwertet unsere Holding AG ihre Liegenschaften und fungiert als Mutterunternehmen für ihre Beteiligungsgesellschaften.

 

Ich möchte Ihnen zunächst die Lage der einzelnen Tochter-gesellschaften schildern, um anschließend Erläuterungen zur Holding AG zu geben.

 

Neuhof Abwicklungs KG

 

Nach Beendigung der Insolvenz wurde die Gesellschaft in 2019 im Handelsgegister gelöscht. Die Gesellschaft ist somit Geschichte.

 

EuroVal

 

Die EuroVal ist eine Zwischen-Holding von verschiedenen Immobiliengesellschaften. Unsere Anteile hieran haben wir in 2019 veräußert. Die ursprüngliche Planung der Immobilien-gesellschaften, die Bürogebäude zu veräußern und die Einlagen mit entsprechendem Gewinn zurückzuzahlen, musste mangels dauerhafter Vermietung aufgegeben werden. Wir haben uns daher für einen Kaufpreis von 413.000 EUR von der Beteiligung getrennt.

 

Auch wenn wir ein Defizit von 74.000 EUR gegenüber den ursprünglichen Einzahlungen von 487.000 EUR in Kauf nehmen mussten und bilanziell ein Verlust von 105.000 EUR zu verbuchen war, halten wir die Entscheidung für richtig. Durch die Coronakrise und die hierdurch erwachsene Unsicherheit im Immobiliensektor bedingt sind die Anteile noch weiter im Wert gesunken. Wir haben vor der Krise veräußert. Außerdem war die Liquidität für unsere Gesellschaft erforderlich.

 

 

 

 

Spinnerei Neuhof KG

 

Wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung unserer Gesellschaft hat auch in diesem Jahr die Spinnerei Neuhof KG gehabt, an der wir unmittelbar und mittelbar über unsere Tochtergesellschaft, die Immobilien KG, beteiligt sind.

 

Die Spinnerei Neuhof KG geriet 2016 in eine schwerwiegende Krisensituation. Ursache hierfür waren nach dem Sanierungs-gutachten der Flick Gocke Schaumburg GmbH Wirtschafts-prüfungsgesellschaft vor allem die Übernahme einer Färberei, die sich als Fehlinvestition herausstellte, der Aufbau eines defizitären Italiengeschäfts, einzelne verlustbringende Aufträge und eine nicht fristenkongruente Finanzierung. Die Erfolgskrise verschärfte sich, da auf Grund fehlender Kontrollmechanismen die strategische und operative Fehlentwicklung den Gesell-schaftern zunächst verborgen blieb und das Engagement der Färberei mit langfristigen Verpflichtungen verbunden war.

 

Wir haben im Herbst 2019 erneut eine Initiative gestartet, die Gesellschaft zu sanieren. Diese Sanierungsphase dauerte über 9 Monate. Es galt, viele Parteien mit teils widerstreitenden Interessen daran zu beteiligen, um die Sanierung umfassend zu gestalten, so dass die Firma wieder eine positive Fortführungs-prognose erhielt.

 

Im Ergebnis ist die Sanierung gelungen:

 

  • Defizitäre Geschäfte wurden eingestellt,
  • Langfristige Verpflichtungen in Zusammenhang mit der Färberei wurden beendet,
  • Durch Forderungsverzichte von über 3 Millionen EUR wurde wieder ein positives Kapital erzielt, das zum 31.12.2019 mit 863.000 EUR valutierte,
  • Die Gesellschafterstruktur wurde auf zwei Gesellschafter-gruppen reduziert
  • Liquide Mittel wurden durch Energiesteuererstattungen von rund 750.000 EUR, die auf Grund von EU-Bestimmungen erst nach der Sanierung ausgezahlt werden durften, und durch Gesellschaftereinlagen von 335.000 EUR zugeführt.

 

Die Sanierung gestaltete sich insofern sehr schwierig, weil viele Beteiligte sich nicht an ihre Zusagen hielten oder zu einem späteren Zeitpunkt zusätzliche Anforderungen stellten, und somit die Gesamtverhandlungen unter den geänderten Bedingungen von neuem aufgenommen werden mussten. Dies erklärt auch die hohen Kosten der Sanierungsberatung, die seit 2016 ange-fallen sind, von über 1,1 Mio. EUR.

 

Im Rahmen der Sanierung haben wir die Anteile von Frau Charlotte Kandel übernommen. Unsere Gesellschaft hält somit einen Kommanditanteil von nominal 253.000 EUR, das sind 24,8% des Gesamtkapitals. Der Kaufpreis von 20.000 EUR, der auch die entsprechenden Anteile an der Komplementär-GmbH enthält, ist vergleichsweise günstig.

 

Im Gegenzug haben auch wir uns an der Sanierung der Spinnerei beteiligen müssen. So haben wir auf ein Darlehen in Höhe von knapp 510.000 EUR verzichtet und eine Bareinlage von EUR 335.000 erbracht. Diese Leistungen werden unmittel-bar unserem Gesellschafterkonto gutgeschrieben, so dass diese Gelder wieder zu unseren Gunsten abgerufen werden können, sobald die Gesellschaft dazu wirtschaftlich in der Lage ist.

 

Kaum saniert steht die Spinnerei vor der nächsten Heraus-forderung, der rückläufigen Nachfrage auf Grund der Automobil-krise und der Coronainfektion.

 

Nach sehr schlechten Sommermonaten ist nach dem Monats-bericht September 2020 in den kommenden Monaten mit einer deutlichen Erholung zu rechnen. Dennoch wird das Unter-nehmen für 2020 die Verluste der ersten 9 Monate nicht kompensieren können und voraussichtlich ein negatives Betriebsergebnis von rund ½ Mio. EUR erwirtschaften.

 

Jedoch ist der Turn around offensichtlich geschafft, für November und Dezember rechnet die Gesellschaft mit einem monatlichen „Nullergebnis“.

 

Mit der Sanierung im engeren Sinne gingen eine Reihe von weiteren Maßnahmen zur Optimierung der leistungs-wirtschaftlichen Prozesse und der Verbesserung des Vertriebs einher.

 

So wurden zwei leitende Posten im Betrieb umbesetzt. Der Geschäftsführung steht seit September dieses Jahres ein drei-köpfiger Aufsichtsrat zur Seite, der die Geschäftsführung unter-stützen und überwachen wird. Wir haben von unserer Seite den Aufsichtsratsvorsitzenden, Herrn Schwender, entsandt, der sich bei der Spinnerei insbesondere um das Thema Vertrieb kümmern wird. Wir haben gemeinsam mit unseren Mitgesell-schaftern bewusst einen ortansässigen Wirtschaftsprüfer gewählt, der auch unterjährig für eine prüferische Durchsicht der Monatsberichte und andere ergänzende Leistungen zur Ver-fügung steht. So sind wir über das Unternehmensgeschehen stets aktuell und umfassend informiert und können bei Bedarf Maßnahmen ergreifen.

 

Ich stelle Ihnen dies in aller Ausführlichkeit dar, da die wirtschaft-liche Situation der Spinnerei Neuhof KG für die Lage unserer Gesellschaft äußerst wichtig ist und sich diese auch in den Jahresabschlüssen für 2019 widerspiegelt, die ich Ihnen nun erläutern möchte.

 

 

Immobilien KG

 

Zunächst zur Immobilien KG:

 

[Bild GuV Immo KG]

 

Die Gesellschaft hat Betriebskosten der an die Spinnerei Neuhof KG verkauften Betriebsimmobilie, die zwangsläufig bei ihr als „Nocheigentümerin“ anfallen, an die Spinnerei Neuhof KG weiterbelastet. Dies schlägt sich in den sonstigen betrieblichen Erträgen mit 4.000 EUR nieder.

 

Nach erfolgter Sanierung der Spinnerei Neuhof KG sind die Anteile, die in der Vergangenheit auf einen Erinnerungswert von 1 EUR abgeschrieben wurden, wieder als werthaltig einzustufen. Entsprechend den handelsrechtlichen Vorschriften war deshalb zwingend eine Zuschreibung vorzunehmen, die 255.000 EUR beträgt.

 

In Summa ergeben sich somit sonstige betriebliche Erträge von 259.000 EUR.

 

In den sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind neben den Betriebskosten der Immobilie von 4.000 EUR Verwaltungskosten von 29.000 EUR enthalten. Darüber hinaus schlagen hier die Verluste aus dem Verkauf der EuroVal zu Buche, die ich Ihnen bereits vorhin erläutert habe.

 

Insgesamt ergibt sich ein Jahresergebnis von 121.000 EUR.

 

Der Jahresüberschuss wird entsprechend den Regelungen des Gesellschaftsvertrags zum Ausgleich des Verlustvortragskontos verwendet. Eine handelsrechtliche Zuschreibung des Ergeb-nisses als Beteiligungsertrag bei der Holding AG ist somit nicht angezeigt. Das um das Jahresergebnis verminderte Verlust-vortragskonto beträgt zum 31.12.2019  189.000 EUR. In der Bilanz ist es gemäß den handelsrechtlichen Vorschriften von den Rücklagen abgezogen worden.

 

 

[Bild Bilanz Immo KG]

 

Ein Blick auf die Bilanz zeigt die Beteiligungen an der Spinnerei Neuhof KG und an deren Komplementärin, der Vorjahre-sausweis betrifft die Anteile an der EuroVal.

 

Der zweite große Vermögenposten ist das Kaufpreisdarlehen gegen die Spinnerei Neuhof KG von ursprünglich 755.000 EUR, das nach einem Forderungsverzicht mit nur noch 100.000 EUR zum 31.12.2019 zu Buche steht.

 

Der Forderungsverzicht wird unmittelbar dem Gesellschafter-konto der Immobilien KG gutgeschrieben, so dass diese Gelder wieder zu Gunsten der Immobilien KG abgerufen werden können, sobald die Gesellschaft dazu wirtschaftlich in der Lage ist. Der Verzicht stellt handelsrechtlich Anschaffungskosten dar und wurde daher dem Beteiligungsansatz zugebucht.

 

Ein Blick auf die Passivseite zeigt eine Eigenkapitalquote von 94%, wesentliche Schulden bestehen also nicht. Die Verbindlich-keiten gegenüber Gesellschaftern bestehen im Wesentlichen gegenüber der Komplementärin.

 

Für das kommende Jahr erwarten wir Verwaltungskosten von rund 20.000 EUR, denen keine Erträge gegenüberstehen.

 


 

Holding AG

 

Im Jahresabschluss der Holding AG haben sich die Ereignisse des Geschäftsjahres 2019 wie folgt abgebildet:

 

 

[Bild GuV Holding AG]

 

 

Wie bekannt, bemühen wir uns seit Jahren, den Bestand der nicht betriebsnotwendigen Immobilien zu veräußern. In 2019 ist dies trotz intensiver Arbeit nicht gelungen. Die Erträge unserer Gesellschaft umfassen daher Erbbauzinsen von 46.000 EUR und einige wenige Pachterträge.

 

Die Aufwendungen für die Pensionen von insgesamt 184.000 EUR sind in den Personalkosten mit 128.000 EUR und in den Zinsaufwendungen mit 57.000 EUR enthalten. In 2019 haben wir Ruhegehälter von insgesamt 246.000 EUR ausgezahlt. Die Pensionsberechtigungen betreffen derzeit 16 ehemalige Mitarbeiter. Im Vorjahr waren es noch 20 Rentner. 9 Pensionsbezieher sind älter als 90 Jahre sind.

 

In den sonstigen betrieblichen Aufwendungen von 103.000 EUR sind neben den Verwaltungskosten auch Betriebskosten der Bestandsimmobilien enthalten.

 

Insgesamt ergibt sich ein Jahresfehlbetrag von 242.000 EUR.

 

Blicken wir auf die Bilanz:

 

 

[Bild Bilanz Holding AG]

 

 

Im Sachanlagevermögen sind die Vorratsgrundstücke mit einem gegenüber dem Vorjahr unveränderten Buchwert von 1.755.000 EUR enthalten.

Verkaufsverhandlungen werden ständig geführt. Im April 2020 gelang es, einen Teilverkauf von 10.000 qm Grundstücksfläche an einen Investor zu veräußern. Der Käufer hat ein Rücktrittsrecht bis 30.11.2021. Ursache ist, dass für das Grundstück zunächst ein Bebauungsplan in Kraft treten muss.

 

Die Anteile an verbundenen Unternehmen betreffen die Immobilien KG und deren Komplementärin.

 

Die Forderungen gegen verbundene Unternehmen betreffen die laufende Verrechnung mit der Immobilien KG. Am Stichtag betrugen die Bankguthaben 208.000 EUR.

 

Das Eigenkapital hat sich um das Jahresergebnis vermindert. Die Eigenkapitalquote ist mit knapp 31% der Bilanzsumme gut.  Im Übrigen dominieren auf der Passivseite die Pensionsverpflichtungen mit 2.164.000 EUR.

 

Für 2020 rechnet der Vorstand mit einem unveränderten Ergebnis gegenüber 2019. Für das Jahr 2021 rechnet der Vorstand bei gleichbleibenden Erträgen aus Pacht und Erbbauzins mit geringeren sonstigen betrieblichen Aufwendungen und Erträgen aus Grundstücksverkäufen, die negativen Ergebnisse aus 2019 und 2020 wieder ausgleichen werden.

 

Die Liquidität für das laufende Jahr ist durch den heutigen Bankbestand gesichert.

 

Das war mein Überblick über die Ereignisse des Jahres 2019 sowie die ausführliche Darstellung der Lage unserer Gesellschaft. Damit möchte ich meinen Bericht beenden, bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und erwarte Ihre Fragen.